Vorsorge neu gemischt
Rürup: Mischsystem hat Zukunft

Die Reformen der letzten Jahre gestalten unser Rentensystem in einem bislang nicht gekannten Maße um. „Dieser Umstieg ist weitergehender, als man glaubt“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Weg geht weg vom überwiegend umlagefinanzierten System hin zu einem Mischsystem, in dem die private und die betriebliche Vorsorge einen höheren Stellenwert bekommen.

Ein Rentensystem wie in anderen Ländern

Die Verantwortung der Menschen ist nun gefragt. „Zurzeit besteht das Alterseinkommen des durchschnittlichen Arbeitnehmers zu etwa 85 Prozent aus einer gesetzlichen Rente und zu 15 Prozent aus betrieblicher oder privater Vorsorge“, erklärt Rürup. „Die beiden letzten Rentenreformen werden bewirken, dass wir bis zum Jahre 2040/2050 auf ein Mischungsverhältnis von zwei Drittel zu einem Drittel kommen werden.“ Das heißt: Ein Drittel ihrer Altersvorsorge werden nach Ansicht Rürups die Bürger künftig selbst aufbringen. Andere Experten sehen den eigenverantwortlichen Beitrag sogar noch höher. Was uns als großer Umbruch erscheint, ist im Grunde eine Anpassung an Rentensysteme, wie sie in anderen Ländern auch funktionieren. Das Mischungsverhältnis – zwei Drittel aus gesetzlicher, ein Drittel aus privater und betrieblicher Vorsorge – werde „mittlerweile im internationalen Vergleich als Standard angesehen“, sagte Rürup. Die Reformschritte der letzten Jahre sieht er im Wesentlichen als abgeschlossen an: „Die Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung sind im Sinne der Nachhaltigkeit weitgehend gelöst.“ Es fehle noch die schrittweise Anhebung des Regeleintrittsalters auf 67 Jahre.
Nicht gelöst sei allerdings das Problem der Altersvorsorge. Die Rente werde nicht mehr den Lebensstandard sichern, gesteht auch der Wirtschaftsexperte ein. „Daher gilt es nun, dafür zu werben, dass die ergänzenden kapitalgedeckten Bausteine aufgebaut werden“, sagte Rürup. Stichworte: Riester, Betriebsrente, Basissicherung.